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Arbeitszeugnisse in Frankreich

Arbeitszeugnisse in Frankreich

Haben Sie schon einmal mit dem Gedanken gespielt, Ihre berufliche Karriere im Ausland fortzusetzen? Vielleicht bietet Ihnen Ihr Arbeitgeber diese Möglichkeit und Sie können über diesen Weg Ihren Job in einem anderen Land mit anderer Kultur und anderer Sprache fortführen.

Wie aber gehen Sie vor, wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen keinen Arbeitsplatz im Ausland zur Verfügung stellen kann und Sie das ganze selbst in die Hand nehmen müssen? Wie bewerben Sie sich dort? Welche Form der Beurteilung wird hier benötigt? Gibt es im Ausland auch einen Zeugnis-Code und wenn ja: wie sieht dieser aus?

Was Sie über den Stellenwert von Arbeitszeugnissen im Ausland wissen sollten, das erfahren Sie hier. Schauen wir uns heute unser Nachbarland Frankreich an.

Die schriftliche Bewerbung besteht in Frankreich einerseits aus dem Anschreiben (lettre de motivation) und andererseits aus dem Lebenslauf (curriculum vitae). Im Gegensatz zur Bewerbungskultur in Deutschland, ganz gleich ob es sich um die häufige Form der „candidature spontanée“ (Initiativbewerbung) oder um eine Bewerbung auf eine Stellenausschreibung handelt, werden keine weiteren Dokumente beigelegt. Achten Sie deshalb darauf, dass beide Unterlagen aussagekräftig in fehlerfreier französischer Sprache formuliert sind.

Wie verhält es sich mit den Arbeitszeugnissen der bisherigen beruflichen Stationen? Auch diese werden der an einen französischen Arbeitgeber gerichteten schriftlichen Bewerbung nicht beigefügt, also weder das in (mehr …)

Ihr Arbeitszeugnis bei Facebook, XING & Co. ?

Ihr Arbeitszeugnis bei Facebook, XING & Co. ?

Die Researcher der Personalberatungen leben wie Gott in Frankreich. War die Informationsbeschaffung über geeignete, potentielle Kandidaten für einen Job früher eine langwierige und zeitaufwändige Prozedur, so spielen heute bei der Besetzung einer Stelle die sozialen Netzwerke die Hauptrolle. Headhunter jagen im virtuellen Revier auf Facebook, XING & Co. nach der passenden Kandidatin oder dem passenden Kandidaten.

Mit Schlagworten wie Führungskraft, leitende Position und Mitarbeiterverantwortung wird der Giga-Datenbestand durchforstet, um das zur Stellenbeschreibung passende Personenprofil zu finden.

Die „Sozialarbeit“ geht aber noch weiter. Frei nach Jean Anthelme Brillat-Savarin („Sage mir, was Du isst, und ich sage Dir, wer Du bist“) werden nicht allein Sie als Zielperson gescannt, vielmehr auch Ihre „Freunde“ oder „Kontakte“. Warum? Weil sich das über Sie vorliegende Informations-Puzzle auf diesem Wege mehr und mehr zusammenfügt und dadurch ein facettenreiches Bild von Ihnen entsteht. Mit welchem Personenkreis umgeben Sie sich? Wer gehört zu Ihren Freunden? Wie präsentieren sich diese? Über welchen Bildungsabschluss verfügen Ihre Kontakte und welchen Aktivitäten gehen diese nach? All das mündet in der Analyse der folgenden Frage: Was sagen Ihre Freunde und Kontakte über SIE aus?

Wie ist Ihr Profil in den sozialen Netzwerken gestaltet? Wie stellen Sie sich dar und welche Informationen geben Sie über sich preis, gewollt oder ungewollt?

Es gibt immer den einen Teil der Fangemeinde, dem das alles gleichgültig ist. Dieser geht vollkommen sorglos mit dem Online-Ich um. Ein gefundenes Fressen für die Informationssammler: Events, an denen man teilnimmt, Angaben über den ehemaligen Arbeitgeber, ja sogar dessen Telefonnummer und eMail-Adresse sind für alle Welt sichtbar. Und es gibt die anderen Networker, die der ganzen Datenwilderei einen Riegel vorschieben und die Ansicht ihrer Kontakte and so on sperren. 

Was hat das nun alles mit Ihrem Arbeitszeugnis zu tun? Werfen wir hierzu einen Blick in die Glaskugel und lassen uns die Zukunft der Social Media Plattformen zeigen: Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die technischen Möglichkeiten geschaffen sein werden, mit denen Sie Ihren Lebenslauf und Ihre Arbeitszeugnisse in den Clouds ablegen und für die von Ihnen administrierten Personen abrufbar machen können. Das wird der Weg sein. Diese Entwicklung hat bereits begonnen und sie lässt sich nicht mehr aufhalten.

Ist Ihr Arbeitszeugnis „ready for social network“?

Ihr Team von Stolze Zeugnisse

Aus der Zeugnishistorie

Aus der Zeugnishistorie

Lydia wurde am 7. April des Jahres 1913 geboren, ein Jahr vor dem Beginn des ersten Weltkrieges. Im Alter von 16 Jahren fand sie eine Anstellung auf  Gut Friedrichsaue in der heutigen Stadt Seeland.  Das Gut gehörte zur Siedlungsgesellschaft Sachsenland, die ebenfalls 1913 ins Leben gerufen wurde. Obgleich Lydia eine sehr gute Arbeitskraft war, erhielt sie nach nur 14 Monaten von ihrer Vorgesetzten die Kündigung. Grund: „wegen Wirtschaftsveränderung“.

Wie sah die wirtschaftliche Lage in 1930 aus? Das Deutsche Reich war mit Beginn des Jahres gegenüber den Siegern des 1. Weltkrieges zu exorbitant hohen Reparationszahlungen verpflichtet worden. Wenige Monate zuvor löste der New Yorker Börsencrash („Schwarzer Donnerstag“) die Weltwirtschaftskrise aus: Banken und Unternehmen brachen zusammen, es folgten Massenentlassungen. Länder, Städte und Gemeinden wurden in ihren Grundfesten erschüttert – und so war auch Friedrichsaue davon betroffen. Lydia ist am 15. Mai 1930 eine von über drei Millionen Arbeitslosen. Am Ende des Jahres werden von den 65 Mio. Einwohnern im Deutschen Reich insgesamt 4,3 Mio. arbeitslos sein.

In einer Zeit, in der Tugenden wie Fleiß, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Ordnungssinn höchstes Gewicht beigemessen wurde, sollte das Zeugnis den künftigen Dienstherrn über die Führung und das Benehmen informieren und ihn vor unehrlichen oder vertragsbrüchigen Arbeitnehmern schützen. Dabei war es üblich, das Zeugnis knapp zu formulieren, den Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu nennen und es polizeilich beglaubigen zu lassen. Besaß der zu Beurteilende eine hohe Bildung oder war er in der Gesellschaft angesehen, so formulierte der Zeugnisaussteller eine ausdrückliche Empfehlung („Recommendation“) als Ausdruck seiner Zufriedenheit.

Werfen wir unter diesen Prämissen einen Blick auf Lydias Zeugnis und führen eine Zeugnis Beurteilung durch. Alle wichtigen Tugenden („tüchtig“, „treu“, „fleißig“, „eifrig“) werden in ihrem Zeugnis nicht nur aufgelistet, sondern erfahren durch die Worte „äußerst“ und „sehr“ in ihrer Wertigkeit eine bedeutende Steigerung. Auch der Ausstellungsgrund für das Zeugnis wird genannt – die Hintergründe haben wir oben dargestellt. Über den „geschuldeten Zeugnisinhalt“ hinaus (siehe unseren BLOG „Sprengstoff im Arbeitszeugnis“ vom 28. März 2013) gehen die Zukunftswünsche von Lydias Vorgesetzter. Diese Wünsche stellen als Schlusssatz eine freiwillige, zusätzliche Erklärung dar. Insgesamt also hat Lydia mit diesem Zeugnis eine mehr als gute Beurteilung erhalten.

Heute, am Sonntag, den 7. April 2013, wäre Lydia 100 Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag – in memoriam.

Mit freundlicher Genehmigung von Erik Markwordt [gview file=“http://www.stolze-zeugnisse.sued-hessen.de/wp-content/uploads/Zeugnis-Markwordt.pdf“ save=“0″]

Zeugnis!Lydia Rausch war vom 15.3.1929 als Hausangestellte auf hiesigem Gute tätig. Sie hat sich während dieser Zeit als äußerst tüchtig, treu, fleißig und sehr eifrig gezeigt. Wegen Wirtschaftsveränderung erfolgt die Entlassung. Wir wünschen der Lydia Rausch alles Gute für die Zukunft.

Gut Friedrichsaue den 15.5.1930
Frau W. Müller
Wirtschafterin

Ihr Team von Stolze Zeugnisse